Was sind DGUV Vorschriften?
DGUV Vorschriften sind Unfallverhütungsvorschriften der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Sie richten sich an Unternehmen und Versicherte und legen verbindliche Anforderungen fest, um Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu vermeiden. In der Praxis werden sie durch DGUV Regeln und DGUV Informationen erläutert und bei der Gefährdungsbeurteilung sowie der Organisation von Unterweisung, Ausrüstung und Verfahren berücksichtigt.
Ziel
Verbindliche Mindestanforderungen für Sicherheit und Gesundheitsschutz im Betrieb festlegen und Unfallrisiken systematisch reduzieren.
Typisch für
Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung, Auswahl geeigneter Arbeitsmittel und PSA, klare Verantwortlichkeiten sowie sichere Arbeitsverfahren (z. B. Arbeiten in der Höhe).
Ergebnis
Nachvollziehbare, rechtssichere Organisation des Arbeitsschutzes: definierte Maßnahmen, dokumentierte Unterweisungen/Prüfungen und ein kontrollierbarer Sicherheitsstandard.
Ablauf einer DGUV Vorschriften
DGUV Vorschriften werden nicht „einmalig geprüft“, sondern in die laufende Arbeitsschutzorganisation integriert. Für Projekte im Seilzugang bedeutet das: Anforderungen frühzeitig in Planung, Durchführung und Dokumentation verankern.
1) Vorbereitung
- Relevante DGUV Vorschriften/Regeln für Tätigkeit, Branche und eingesetzte Arbeitsmittel identifizieren
- Gefährdungsbeurteilung erstellen bzw. aktualisieren (Arbeitsumgebung, Absturzgefahren, Rettungskonzept, Witterung, Verkehrssicherung)
- Qualifikation, Unterweisungsstand und Eignung der Mitarbeitenden sowie Prüfstatus von PSA/Arbeitsmitteln sicherstellen
2) Prüfung vor Ort
- Arbeitsbereich absichern und Zugangskonzept umsetzen (Sperrungen, Warnhinweise, Schutz vor herabfallenden Gegenständen)
- Anschlagpunkte/Arbeitsmittel und PSA vor Einsatz kontrollieren; Abweichungen sofort beheben oder Arbeit stoppen
- Arbeitsverfahren, Kommunikation und Rettungsbereitschaft praktisch verifizieren (z. B. Erreichbarkeit, Rettungswege, Rollenverteilung)
3) Auswertung & Empfehlungen
- Feststellungen dokumentieren (Abweichungen, Beinaheereignisse, Wirksamkeit der Maßnahmen)
- Verbesserungen ableiten: technische/organisatorische Maßnahmen, Unterweisungsbedarf, Anpassung von Arbeitsanweisungen
- Nachverfolgung festlegen (Fristen, Verantwortliche, erneute Kontrolle/Wirksamkeitsprüfung)
Was wird typischerweise geprüft?
Welche DGUV Vorschriften im Einzelfall relevant sind, hängt von Tätigkeit, Arbeitsmitteln und Einsatzort ab. Im Umfeld von Gebäudeinspektion und Seilzugang stehen häufig Absturzschutz, sichere Arbeitsmittel und organisatorische Maßnahmen im Fokus.
Fassade & Gebäudehülle
- Gefährdungen durch Absturz, Pendelsturz und Kantenbeanspruchung bewerten und Maßnahmen festlegen
- Absicherung von Bereichen unterhalb der Arbeitsstelle (Passanten-/Verkehrsschutz, Schutz vor herabfallenden Teilen)
- Eignung und Zustand von Anschlagmöglichkeiten/Strukturen beurteilen (nur freigegebene, tragfähige Punkte nutzen)
- Arbeitsabläufe, Kommunikation und Rettungsorganisation so planen, dass sie praktisch umsetzbar sind
Dach & Aufbauten
- Zugang/Begehung sicher organisieren (Dachkanten, Lichtkuppeln, Durchsturzgefahren, Witterungseinfluss)
- Arbeitsmittel und PSA passend zur Aufgabe auswählen und vor Einsatz prüfen lassen
- Sicherer Umgang mit Werkzeugen/Material (Sicherung gegen Herabfallen, Transport, Lagerung)
- Rettungskonzept und Notfallorganisation an die örtlichen Gegebenheiten anpassen (Erreichbarkeit, Einweisung, Alarmwege)
Warum Seilzugangstechnik oft ideal ist
Seilzugangstechnik ermöglicht Inspektionen und Arbeiten an schwer zugänglichen Bereichen mit geringem Eingriff in den Betrieb, oft ohne aufwändige Gerüste. Sicherheitsanforderungen aus DGUV Vorschriften lassen sich dabei strukturiert umsetzen, weil Verfahren, Rollen (z. B. Aufsicht/Team), Ausrüstung und Rettung typischerweise klar definiert sind. Entscheidend bleibt die standortbezogene Gefährdungsbeurteilung inklusive geeigneter Anschlagpunkte und eines praktikablen Rettungskonzepts.
Dokumentation & Ergebnisbericht
Eine saubere Dokumentation unterstützt die Nachweisführung und macht Sicherheitsmaßnahmen im Projektverlauf überprüfbar. Sie sollte verständlich, aktuell und für Verantwortliche jederzeit verfügbar sein.
Typische Inhalte eines Berichts
- Gefährdungsbeurteilung inkl. Maßnahmenplan und Verantwortlichkeiten
- Unterweisungsnachweise und Qualifikationsnachweise der eingesetzten Personen
- Prüfnachweise/Prüfstatus von PSA und relevanten Arbeitsmitteln (z. B. Seile, Verbindungsmittel, Auffanggeräte)
- Arbeits- und Rettungsplan inkl. Kommunikations- und Alarmwegen
- Protokolle zu Abweichungen, Beinaheereignissen und Wirksamkeitskontrollen
FAQ: DGUV Vorschriften
Sind DGUV Vorschriften Gesetze?
DGUV Vorschriften sind Unfallverhütungsvorschriften der gesetzlichen Unfallversicherung. Sie sind für Mitgliedsbetriebe und Versicherte verbindlich und ergänzen staatliche Arbeitsschutzvorgaben, ohne selbst ein „Gesetz“ im formalen Sinn zu sein.
Welche Rolle spielen DGUV Vorschriften bei Arbeiten im Seilzugang?
Sie bilden einen wichtigen Rahmen für die Organisation sicherer Arbeiten, z. B. durch Anforderungen an Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung, Auswahl und Prüfung von PSA sowie an Rettungs- und Notfallorganisation. Welche konkreten Dokumente relevant sind, hängt von Tätigkeit und Einsatzbedingungen ab.
Wer ist im Betrieb für die Umsetzung verantwortlich?
Die Verantwortung liegt grundsätzlich beim Arbeitgeber bzw. der Unternehmensleitung. Aufgaben können an fachkundige Personen delegiert werden, die Pflicht zur wirksamen Organisation, Kontrolle und Bereitstellung geeigneter Mittel bleibt jedoch beim Arbeitgeber.
DGUV-konforme Inspektionen und Arbeiten sicher planen
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