Lexikon • Inspektion

Fallschutz

Fallschutz ist die Grundlage für sicheres Arbeiten in der Höhe. Er umfasst technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen, um Abstürze zu verhindern oder deren Folgen zu begrenzen.

Was ist Fallschutz?

Unter Fallschutz versteht man alle Maßnahmen, die Personen bei Arbeiten mit Absturzgefährdung schützen. Dazu zählen insbesondere Absturzsicherungen (z. B. Geländer, Seitenschutz), Rückhaltesysteme zur Absturzvermeidung sowie Auffangsysteme, die einen Sturz stoppen und die dabei auftretenden Kräfte begrenzen. Zum Fallschutz gehören außerdem geeignete Anschlagpunkte, Rettungskonzepte und die regelmäßige Prüfung der eingesetzten Ausrüstung.

Ziel

Abstürze verhindern oder im Ernstfall sicher auffangen und Folgeschäden minimieren.

Typisch für

Arbeiten an Fassaden, Dächern, Industrieanlagen, Masten, Schächten und überall dort, wo Absturzkanten oder Durchsturzgefahren bestehen.

Ergebnis

Sicheres Arbeitsverfahren mit passenden Schutzmaßnahmen, geprüfter Ausrüstung, klaren Zuständigkeiten und einem praktikablen Rettungsweg.

Ablauf einer Fallschutz

Ein wirksamer Fallschutz entsteht aus der Kombination von Planung, geeigneter Technik und konsequenter Anwendung vor Ort. Entscheidend sind Gefährdungsbeurteilung, Auswahl des Systems und die Umsetzbarkeit der Rettung.

1) Vorbereitung

  • Arbeitsbereich und Absturzgefahren erfassen (Kanten, Öffnungen, Durchsturzflächen, Verkehrswege).
  • Schutzstrategie festlegen: kollektive Absturzsicherung vor persönlicher Schutzausrüstung, sofern möglich.
  • Geeignete Anschlagpunkte/Einrichtungen auswählen und Rettungskonzept inkl. Zuständigkeiten planen.

2) Prüfung vor Ort

  • Zugang, Anschlagmöglichkeiten und Tragfähigkeit/Positionierung der Anschlagpunkte beurteilen.
  • Ausrüstung und Systemkonfiguration kontrollieren (z. B. Verbindungsmittel, Falldämpfer, Auffanggerät, Gurt).
  • Funktions- und Plausibilitätscheck: Sturzraum, Pendelsturzgefahr, Kantenbeanspruchung, Rettungsweg.

3) Auswertung & Empfehlungen

  • Feststellungen dokumentieren und Abweichungen/Restrisiken benennen.
  • Konkrete Maßnahmen ableiten (z. B. Nachrüstung von Anschlagpunkten, Anpassung des Zugangs, Schulungsbedarf).
  • Priorisierung nach Risiko und Umsetzbarkeit, inkl. Vorschlag für Prüf- und Wartungsintervalle.

Was wird typischerweise geprüft?

Der Umfang einer Fallschutz-Betrachtung richtet sich nach Nutzung, Zugangssituation und den vorhandenen Sicherungseinrichtungen. Häufig werden Gebäudehülle und Dachbereiche getrennt bewertet.

Fassade & Gebäudehülle

  • Zugänge und Arbeitspositionen (z. B. Revisionsöffnungen, Befahranlagen, Seilzugang).
  • Absturz- und Pendelsturzrisiken an Kanten, Vorsprüngen und Rücksprüngen.
  • Vorhandene Anschlageinrichtungen und deren Eignung für Rückhalte- oder Auffangsysteme.
  • Rettungsmöglichkeiten und sichere Übergänge (z. B. vom Dach zur Fassade).

Dach & Aufbauten

  • Absturzkanten, Lichtkuppeln/Öffnungen und potenzielle Durchsturzgefahren.
  • Schutzmaßnahmen wie Seitenschutz, Dachgeländer, Abdeckungen oder definierte Verkehrswege.
  • Anschlagpunkte/Seilsysteme und deren Positionierung in Bezug auf Sturzraum und Kantenbelastung.
  • Sichere Bereiche für Wartung an Aufbauten (z. B. Lüftung, Antennen, Blitzschutz) inkl. Rettungszugang.

Warum Seilzugangstechnik oft ideal ist

Seilzugangstechnik ermöglicht Inspektionen und Arbeiten an schwer zugänglichen Stellen, ohne umfangreiche Gerüst- oder Hubarbeitsbühnenlogistik. Durch definierte Arbeits- und Sicherungsseile, redundante Systeme und klare Rettungsabläufe lassen sich viele Tätigkeiten effizient durchführen. Gleichzeitig können Anschlagpunkte, Kantenbereiche und potenzielle Gefahrenstellen aus nächster Nähe beurteilt und dokumentiert werden.

Dokumentation & Ergebnisbericht

Eine nachvollziehbare Dokumentation unterstützt die sichere Durchführung wiederkehrender Arbeiten und erleichtert die Abstimmung zwischen Betreiber, Fachfirmen und Arbeitsschutzverantwortlichen.

Typische Inhalte eines Berichts

  • Fotodokumentation relevanter Bereiche (Kanten, Öffnungen, Anschlagpunkte, Zugänge).
  • Beschreibung der Gefährdungen und der vorgesehenen Schutzmaßnahmen (Rückhalt/Auffang/kollektive Sicherung).
  • Angaben zur Nutzung: zulässige Arbeitsbereiche, erforderliche Systemkonfiguration, Sturzraum/Restriktionen.
  • Empfehlungen zu Nachrüstungen, Instandsetzung und organisatorischen Maßnahmen (z. B. Sperrungen, Kennzeichnung).
  • Hinweise zu Rettung und Notfallorganisation (Erreichbarkeit, Rettungsweg, Schnittstellen).

FAQ: Fallschutz

Was ist der Unterschied zwischen Rückhaltesystem und Auffangsystem?

Ein Rückhaltesystem verhindert, dass eine Person überhaupt in den Absturzbereich gelangt (Absturzvermeidung). Ein Auffangsystem stoppt einen Sturz, wenn er eintritt, und soll die dabei wirkenden Kräfte begrenzen; dafür sind u. a. ausreichender Sturzraum und ein Rettungsplan entscheidend.

Welche Maßnahmen haben Vorrang: Geländer oder PSA gegen Absturz?

Wo möglich, sind kollektive Schutzmaßnahmen wie Seitenschutz oder Geländer in der Regel vorzuziehen, weil sie unabhängig vom individuellen Verhalten wirken. Ist das nicht umsetzbar, kommen persönliche Systeme wie Rückhalte- oder Auffangsysteme zum Einsatz, ergänzt durch klare Arbeitsanweisungen und Rettungsorganisation.

Warum ist ein Rettungskonzept beim Fallschutz so wichtig?

Nach einem Sturz in ein Auffangsystem kann eine schnelle Rettung erforderlich sein, um gesundheitliche Risiken zu minimieren. Deshalb muss vor Arbeitsbeginn feststehen, wie eine verunfallte Person erreicht, gesichert und zügig gerettet werden kann, inklusive Zuständigkeiten und geeigneter Ausrüstung.

Fallschutz prüfen und Arbeitsbereiche sicher planen

Wir unterstützen bei der Beurteilung von Absturzgefahren, der Auswahl praktikabler Schutzmaßnahmen und der Dokumentation für wiederkehrende Einsätze. Auf Wunsch kombinieren wir die Fallschutz-Betrachtung mit einer Vor-Ort-Inspektion per Seilzugangstechnik.