Was ist eine FISAT-Zertifizierung?
Unter FISAT-Zertifizierung versteht man die durch den Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken (FISAT) organisierte Qualifizierung von Anwendern der Seilzugangstechnik. Sie umfasst eine strukturierte Ausbildung mit Theorie- und Praxisanteilen sowie eine abschließende Prüfung. Ziel ist, ein einheitliches Kompetenzniveau für seilunterstützte Tätigkeiten sicherzustellen und die sichere Anwendung gängiger Verfahren im Arbeitsalltag nachzuweisen.
Ziel
Nachweis fachlicher Kompetenz für seilunterstützte Arbeiten: sichere Anwendung von Verfahren, Rettung/Notfallmaßnahmen und praxisgerechtes Arbeiten.
Typisch für
Inspektionen an Fassaden, Dächern, Industrieanlagen und Masten sowie Instandhaltung und Montage, wenn Gerüste oder Hubarbeitsbühnen unpraktisch sind.
Ergebnis
Zertifizierte Qualifikation (je nach Stufe) als Grundlage für Einsatzplanung, Kundenanforderungen und nachvollziehbare Sicherheits- und Kompetenzstandards im Team.
Ablauf einer FISAT-Zertifizierung
Der Weg zur FISAT-Zertifizierung folgt in der Regel einem klaren Ablauf aus Ausbildung und Prüfung. Inhalte und Anforderungen richten sich nach der jeweiligen Qualifikationsstufe und dem vorgesehenen Einsatzbereich.
1) Vorbereitung
- Auswahl der passenden Qualifikationsstufe entsprechend Aufgabenprofil und Erfahrung
- Teilnahme an einem Lehrgang mit Theorie (z. B. Grundlagen, Ausrüstung, Gefährdungen) und Praxis (z. B. Auf-/Abstieg, Positionierung)
- Sicherstellen, dass persönliche Schutzausrüstung und Dokumente gemäß Lehrgangsvorgaben verfügbar sind
2) Prüfung vor Ort
- Theoretische Prüfung zu Verfahren, Sicherheit, Materialkunde und Einsatzgrenzen
- Praktische Prüfung: sicheres Bewegen am Seil, Arbeitsplatzpositionierung, Umsetzen von Anschlagpunkten/Seilsystemen nach Vorgabe
- Nachweis von Rettungs- bzw. Notfallmaßnahmen im Rahmen der Prüfungsanforderungen
3) Auswertung & Empfehlungen
- Bewertung der Prüfungsleistungen und Rückmeldung zu Stärken/Verbesserungspunkten
- Bei Bestehen: Ausstellung des Zertifikats für die erreichte Stufe
- Empfehlungen für Routine, Fortbildung und teaminterne Standards (z. B. Einsatzabläufe, Dokumentation)
Was wird typischerweise geprüft?
Eine FISAT-Zertifizierung ist keine Bauwerksprüfung, sondern ein Qualifikationsnachweis für Personen. Sie wird besonders relevant, wenn Inspektionen oder Arbeiten an schwer zugänglichen Bauteilen seilunterstützt durchgeführt werden.
Fassade & Gebäudehülle
- Einsatz seilunterstützter Verfahren zur Sichtprüfung aus unmittelbarer Nähe
- Sichere Arbeitsplatzpositionierung für Detailkontrollen (z. B. Fugen, Anschlüsse, Befestigungen)
- Umgang mit typischen Gefährdungen an der Fassade (Kanten, Pendelbereiche, Witterung)
- Rettungs- und Notfallkonzepte als Bestandteil der Qualifikation für Arbeiten an der Gebäudehülle
Dach & Aufbauten
- Bewegung und Positionierung an Dachkanten, Aufbauten und Übergängen
- Sichere Anwendung von Anschlagpunkten/Seilsystemen für Inspektion und kleinere Instandhaltungen
- Berücksichtigung typischer Risiken (z. B. Durchsturzgefahr, lose Bauteile, Wind)
- Grundlagen zur Planung seilunterstützter Zugänge für wiederkehrende Kontrollen
Warum Seilzugangstechnik oft ideal ist
Seilzugangstechnik ermöglicht Inspektionen und Arbeiten nah am Bauteil und mit vergleichsweise geringem logistischem Aufwand, wenn Gerüste oder Bühnen unverhältnismäßig wären. Zertifizierte Anwender können sich kontrolliert positionieren, Details direkt prüfen und Maßnahmen gezielt ausführen. Das ist besonders vorteilhaft bei komplexen Geometrien, begrenzten Aufstellflächen oder kurzen Einsatzfenstern.
Dokumentation & Ergebnisbericht
Im betrieblichen Alltag wird die FISAT-Zertifizierung häufig als Teil der Qualifikations- und Nachweiskette dokumentiert. Eine saubere Dokumentation unterstützt Auftraggeber, Sicherheitskoordination und interne Einsatzplanung.
Typische Inhalte eines Berichts
- Zertifikatsnachweis (Stufe, Gültigkeit, Name der zertifizierten Person)
- Einsatzbezogene Gefährdungsbeurteilung und Rettungskonzept
- Prüfnachweise der verwendeten PSA gegen Absturz und seiltechnischen Ausrüstung
- Arbeits- und Kommunikationsabläufe (z. B. Rollen im Team, Freigaben, Absperrungen)
- Einsatzprotokolle/Leistungsnachweise, z. B. für Inspektionsergebnisse oder ausgeführte Maßnahmen
FAQ: FISAT-Zertifizierung
Ist die FISAT-Zertifizierung eine Norm oder gesetzliche Pflicht?
Die FISAT-Zertifizierung ist ein Qualifikationsnachweis eines Fachverbands und keine eigene gesetzliche Vorschrift. In der Praxis kann sie jedoch von Auftraggebern als Anforderung definiert werden, um ein einheitliches Kompetenzniveau für seilunterstützte Arbeiten nachzuweisen.
Welche Inhalte werden typischerweise geprüft?
Üblich sind Theorie- und Praxisanteile, z. B. Grundlagen der Seilzugangstechnik, Material- und Systemkunde, Gefährdungen, sicheres Positionieren am Arbeitsplatz sowie Rettungs- und Notfallmaßnahmen im Rahmen der jeweiligen Stufe.
Wofür ist die Zertifizierung im Inspektionskontext besonders relevant?
Sie ist vor allem dann relevant, wenn Inspektionen in der Höhe oder an schwer zugänglichen Bereichen seilunterstützt durchgeführt werden. Der Nachweis erleichtert die Einsatzplanung, die Abstimmung mit Sicherheitsverantwortlichen und die Erfüllung von Kundenanforderungen an die Qualifikation des Personals.
Seilunterstützte Inspektion mit qualifiziertem Personal planen
Wenn Sie eine Inspektion an Fassade, Dach oder Anlage seilunterstützt durchführen lassen möchten, unterstützen wir bei Zugangskonzept, Sicherheitsplanung und Umsetzung durch qualifiziertes Personal. Sprechen Sie uns für eine objektbezogene Einschätzung an.