Lexikon • Inspektion

Höhenrettung

Höhenrettung bezeichnet das Retten, Bergen und Evakuieren von Personen aus Höhen und Tiefen, wenn konventionelle Zugänge nicht möglich oder zu langsam sind. Sie kombiniert Rettungstaktik, Seiltechnik und medizinische Erstversorgung, um Gefahren schnell zu beherrschen.

Was ist Höhenrettung?

Unter Höhenrettung versteht man organisierte Rettungsmaßnahmen in exponierten Lagen, z. B. an Fassaden, Dächern, Masten, in Schächten oder Silos. Ziel ist es, verunfallte oder blockierte Personen sicher zu erreichen, zu sichern, zu stabilisieren und kontrolliert zu evakuieren. Je nach Lage kommen Abseil-, Aufstiegs-, Umlenk- und Flaschenzugsysteme sowie spezielle Tragen- und Anschlagmittel zum Einsatz.

Ziel

Schnelle, sichere Rettung und Evakuierung von Personen aus unzugänglichen oder gefährlichen Bereichen unter Minimierung des Risikos für Betroffene und Retter.

Typisch für

Arbeitsunfälle im Seilzugang, in Hubarbeitsbühnen, auf Dächern, an Windenergieanlagen, Sendemasten oder in Behältern/Silos; auch medizinische Notfälle in exponierter Lage.

Ergebnis

Gerettete Person in sicherem Bereich (z. B. Dach, Boden, Rettungsfahrzeug), Übergabe an Rettungsdienst/Notarzt sowie nachvollziehbare Dokumentation des Einsatzes.

Ablauf einer Höhenrettung

Der konkrete Ablauf richtet sich nach Einsatzlage, Gefährdungen und vorhandener Infrastruktur. Bewährt ist ein strukturiertes Vorgehen mit klaren Rollen, redundanten Sicherungen und definierter Kommunikation.

1) Vorbereitung

  • Lageerkundung, Gefährdungsbeurteilung (Absturz, Kanten, Strom, Wetter, lose Bauteile, Gefahrstoffe)
  • Rettungsplan festlegen: Zugang, Sicherung, Evakuierungsweg, medizinische Versorgung, Kommunikation
  • Material- und Systemcheck: Anschlagpunkte, Seile, Abseil-/Rettungsgeräte, Trage/Patientensicherung, Redundanz

2) Prüfung vor Ort

  • Sichere Einrichtung von Standplätzen/Anschlagpunkten und Kantenmanagement; Funktionsprobe der Systeme
  • Kontakt zur betroffenen Person, Ersteinschätzung, Stabilisierung (z. B. Wärmeerhalt, Blutung, Immobilisation nach Lage)
  • Kontrollierte Rettung/Abseilen/Anheben/Queren und Übergabe an sicheren Bereich

3) Auswertung & Empfehlungen

  • Nachbesprechung: Ablauf, Abweichungen, Beinaheereignisse, Wirksamkeit der Kommunikation
  • Materialprüfung und Aussonderung beschädigter Ausrüstung; Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft
  • Empfehlungen zur Prävention: Rettungsplan, Anschlagpunkte, Zugangskonzepte, Unterweisung/Übungen

Was wird typischerweise geprüft?

Höhenrettung ist kein Standardpaket, sondern wird lageabhängig zusammengestellt. Typische Einsatzorte im Gebäudebereich sind Fassaden, Dächer und technische Aufbauten; in der Industrie zusätzlich Behälter, Silos und Anlagenkomponenten.

Fassade & Gebäudehülle

  • Rettung aus hängender Position (z. B. nach Sturz in Auffangsystem oder im Seilzugang)
  • Evakuierung von Personen aus Fassadenbefahranlagen oder von Arbeitsplätzen an der Gebäudehülle
  • Sicherung und kontrolliertes Abseilen/Anheben über Kanten und Vorsprünge
  • Absperrung und Schutz vor herabfallenden Gegenständen im Gefahrenbereich

Dach & Aufbauten

  • Rettung von Flachdach/Steildach, Lichtkuppeln, Attiken und Dachrändern
  • Evakuierung aus schwer zugänglichen Bereichen (z. B. Technikaufbauten, Schächte, Treppenhäuser mit eingeschränktem Zugang)
  • Einrichten temporärer Anschlagpunkte und Umlenkungen für sichere Rettungswege
  • Unterstützung bei der Übergabe an Rettungsdienst (z. B. Tragewege, Abseilstrecken, Sicherung am Dachrand)

Warum Seilzugangstechnik oft ideal ist

Seilzugangstechnik ermöglicht einen schnellen, direkten Zugang zur Einsatzstelle, auch wenn Hubarbeitsbühnen, Gerüste oder Drehleitern nicht verfügbar oder ungeeignet sind. Durch redundante Seilsysteme, definierte Arbeits- und Rettungsverfahren sowie geringe Flächenbeanspruchung eignet sie sich besonders für komplexe Geometrien an Fassaden, Dächern und Anlagen. Zudem lassen sich Rettungswege flexibel anpassen, ohne den Betrieb unnötig zu blockieren.

Dokumentation & Ergebnisbericht

Eine saubere Dokumentation unterstützt Nachvollziehbarkeit, Qualitätssicherung und Prävention. Umfang und Form richten sich nach Auftrag, Einsatzart und internen Vorgaben des Betreibers.

Typische Inhalte eines Berichts

  • Einsatzprotokoll mit Zeitlinie, Rollen, Kommunikationswegen und eingesetzten Verfahren
  • Fotodokumentation der Lage (soweit zulässig) und der eingerichteten Sicherungssysteme
  • Checklisten: Materialprüfung, Anschlagpunkte, Funktionsproben, Absperrmaßnahmen
  • Übergabe-/Patientenprotokoll (z. B. an Rettungsdienst) inklusive relevanter Beobachtungen
  • Empfehlungen zur Verbesserung von Rettungsplanung, Zugang, Unterweisung und Übungen

FAQ: Höhenrettung

Ist Höhenrettung dasselbe wie Industrieklettern?

Nein. Industrieklettern/Seilzugangstechnik ist primär eine Arbeitsmethode für Inspektion, Montage oder Instandhaltung. Höhenrettung ist eine Rettungsmaßnahme mit Fokus auf Evakuierung, medizinische Erstversorgung und sichere Übergabe; sie kann jedoch seiltechnische Verfahren aus dem Seilzugang nutzen.

Welche Voraussetzungen sollte ein Betreiber für den Notfall schaffen?

Wesentlich sind ein standortspezifischer Rettungsplan, geeignete Anschlagpunkte bzw. Zugangsmöglichkeiten, klare Alarmierungs- und Kommunikationswege sowie regelmäßige Unterweisungen und Übungen. Bei Arbeiten mit Absturzgefahr sollte die Rettung aus dem Auffangsystem zeitkritisch geplant sein.

Wie schnell muss eine Rettung aus dem Auffangsystem erfolgen?

Die erforderliche Geschwindigkeit hängt von Lage und Gesundheitszustand ab. Wichtig ist, dass eine Rettung organisatorisch und technisch so vorbereitet ist, dass eine hängende Person zügig entlastet und sicher evakuiert werden kann; dafür sind Planung, Materialverfügbarkeit und Übung entscheidend.

Höhenrettung planen und Einsatzbereitschaft verbessern

Wir unterstützen bei der Beurteilung von Rettungswegen, der praktischen Umsetzbarkeit seiltechnischer Evakuierung und der Ableitung konkreter Maßnahmen für Ihren Standort. Auf Wunsch kombinieren wir dies mit einer Inspektion relevanter Bauteile und Zugangssysteme.