Was ist IRATA-Zertifizierung?
Die IRATA-Zertifizierung ist der Qualifikationsnachweis der Industrial Rope Access Trade Association (IRATA) für Seilzugangstechniker. Sie basiert auf strukturiertem Training, einer unabhängigen Prüfung und einer Einstufung in Levels (z. B. Level 1–3) mit klar abgegrenzten Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten. Ziel ist ein einheitliches, überprüfbares Kompetenzniveau für seilgestützte Arbeiten, insbesondere bei Inspektion, Wartung und Montage in schwer zugänglichen Bereichen.
Ziel
Nachweis geprüfter Fachkompetenz für sicheres Arbeiten mit Seilzugangstechnik nach einem international etablierten Ausbildungssystem.
Typisch für
Seilgestützte Inspektionen und Instandhaltung an Bauwerken und Industrieanlagen, wenn Gerüste, Hubarbeitsbühnen oder Stillstände reduziert werden sollen.
Ergebnis
Zertifizierte Qualifikation (Level) als Grundlage für Einsatzplanung, Rollenverteilung im Team und dokumentierbare Sicherheitsstandards.
Ablauf einer IRATA-Zertifizierung
Die IRATA-Zertifizierung erfolgt über Training und eine anschließende Prüfung durch eine unabhängige prüfende Person. Inhalte und praktische Übungen orientieren sich an typischen Arbeits- und Rettungsszenarien im Seilzugang.
1) Vorbereitung
- Auswahl des passenden Levels entsprechend Erfahrung und Aufgabenprofil
- Teilnahme an einem strukturierten Training mit Theorie, Praxis und Rettungsübungen
- Sichtung der erforderlichen Nachweise (z. B. bisherige Praxiszeiten/Logbuch, sofern relevant)
2) Prüfung vor Ort
- Theoretische Abfrage zu Verfahren, Risiken, Ausrüstung und Arbeitsorganisation
- Praktische Prüfung: Auf- und Abstieg, Arbeitsplatzpositionierung, Umstieg/Traversen, Knoten und Systemaufbau
- Rettungsszenarien und sicheres Arbeiten im Team entsprechend dem angestrebten Level
3) Auswertung & Empfehlungen
- Bewertung der Leistung und Entscheidung über Bestehen/Nichtbestehen
- Dokumentation des Ergebnisses und Zuordnung des Levels bei erfolgreicher Prüfung
- Hinweise zu Entwicklungsfeldern, Praxisaufbau und ggf. nächstem Level
Was wird typischerweise geprüft?
Die IRATA-Zertifizierung bezieht sich auf die Qualifikation von Personen und Teams, nicht auf ein konkretes Bauwerk. In der Praxis wird sie häufig dort gefordert, wo seilgestützte Inspektionen an komplexen oder schwer zugänglichen Bereichen stattfinden.
Fassade & Gebäudehülle
- Zugang zu hochgelegenen oder schwer erreichbaren Fassadenbereichen ohne Gerüst
- Sicht- und Nahprüfung von Bauteilen, Fugen, Anschlüssen und Befestigungen
- Unterstützung bei Mess- und Dokumentationsaufgaben (z. B. Fotodokumentation)
- Arbeiten in Bereichen mit eingeschränkten Aufstellflächen für Hebetechnik
Dach & Aufbauten
- Zugang zu Dachkanten, Attiken, Lichtkuppeln und technischen Aufbauten
- Unterstützung bei Zustandskontrollen und Wartungsarbeiten an schwer zugänglichen Stellen
- Sichere Arbeitsplatzpositionierung an geneigten oder exponierten Bereichen
- Rettungs- und Evakuierungskompetenz als integraler Bestandteil der Qualifikation
Warum Seilzugangstechnik oft ideal ist
Seilzugangstechnik ermöglicht einen schnellen, punktgenauen Zugang zu Arbeitsstellen, an denen Gerüste oder Hubarbeitsbühnen aufwendig, teuer oder technisch nicht einsetzbar sind. Mit IRATA-zertifizierten Teams sind Rollen, Verantwortlichkeiten und Rettungsverfahren klar definiert, was die Planung und Durchführung von Inspektionen unterstützt. Besonders bei wechselnden Einsatzorten und kurzen Zeitfenstern kann das die Stillstandszeiten reduzieren und die Dokumentation vereinheitlichen.
Dokumentation & Ergebnisbericht
Für Auftraggeber ist neben der technischen Ausführung vor allem die Nachvollziehbarkeit wichtig. Üblich sind Unterlagen, die Qualifikation, Einsatzplanung und Ergebnisse transparent machen.
Typische Inhalte eines Berichts
- Nachweis der Qualifikation (z. B. Level) der eingesetzten Seilzugangstechniker
- Einsatz- und Rettungsplanung (inkl. Rollen im Team und Kommunikationswegen)
- Gefährdungsbeurteilung bzw. methodische Risikobetrachtung für den Einsatz
- Prüf- und Zustandsdokumentation (z. B. Fotodokumentation, Befundliste)
- Empfehlungen für Instandsetzung, Monitoring oder Folgeinspektionen
FAQ: IRATA-Zertifizierung
Ist IRATA eine gesetzliche Pflicht in Deutschland?
IRATA ist ein Branchenstandard und keine gesetzliche Pflicht. Ob eine IRATA-Zertifizierung gefordert wird, ergibt sich häufig aus Auftraggebervorgaben, Ausschreibungen oder internen Sicherheitsanforderungen.
Was bedeuten die IRATA-Levels?
Die Levels beschreiben Qualifikationsstufen mit unterschiedlichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Team. Typischerweise reichen sie von ausführenden Tätigkeiten (Einstiegslevel) bis zu fortgeschrittener Teamführung und Rettungsorganisation (höhere Levels).
Worauf sollte ich bei der Beauftragung achten?
Achten Sie auf passende Level im Team, eine klare Rettungsplanung und eine saubere Dokumentation der Arbeiten. Sinnvoll ist außerdem, den Einsatzumfang (Inspektionspunkte, Zugänge, Dokumentationsform) vorab eindeutig festzulegen.
IRATA-zertifizierte Teams für Inspektion und Instandhaltung einsetzen
Wenn Sie für Ihr Projekt seilgestützte Inspektionen oder Arbeiten an schwer zugänglichen Bereichen planen, unterstützen wir bei der Auswahl des geeigneten Vorgehens, der Einsatzplanung und der Dokumentation. Sprechen Sie uns an, um Anforderungen, Zugänge und Sicherheitskonzept abzustimmen.