Lexikon • Inspektion

Risikobewertung

Eine Risikobewertung bewertet Gefährdungen systematisch nach Wahrscheinlichkeit und möglicher Schadensschwere. Sie ist Grundlage, um Schutzmaßnahmen festzulegen und Arbeiten – etwa im Seilzugang – sicher zu planen.

Was ist Risikobewertung?

Unter Risikobewertung versteht man die strukturierte Beurteilung von Risiken, die aus Gefährdungen entstehen. Dabei werden typischerweise Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung betrachtet, um das Risiko zu priorisieren. Ergebnis sind nachvollziehbare Maßnahmen zur Risikominderung sowie Kriterien, ob und unter welchen Bedingungen eine Tätigkeit durchgeführt werden kann.

Ziel

Risiken erkennen, bewerten und auf ein akzeptables Maß reduzieren – als Entscheidungsgrundlage für Planung, Schutzmaßnahmen und Freigaben.

Typisch für

Inspektionen und Instandhaltung an Fassaden, Dächern und Anlagen; Arbeiten in Höhe oder in beengten Räumen; wechselnde Umgebungsbedingungen und Zugänge.

Ergebnis

Priorisierte Risikoliste, festgelegte Schutzmaßnahmen (technisch/organisatorisch/persönlich), Rest-Risiko und klare Arbeits- und Abbruchkriterien.

Ablauf einer Risikobewertung

Eine Risikobewertung folgt einem nachvollziehbaren Ablauf: Informationen sammeln, Gefährdungen vor Ort prüfen und daraus konkrete Maßnahmen ableiten. Wichtig ist, dass Annahmen dokumentiert und bei Änderungen aktualisiert werden.

1) Vorbereitung

  • Auftrag, Arbeitsumfang, Zugänge und Randbedingungen klären (z. B. Betrieb, Publikumsverkehr, Wetterfenster)
  • Vorhandene Unterlagen sichten: Pläne, frühere Befunde, Betriebsanweisungen, Rettungskonzept
  • Bewertungsmethode festlegen (z. B. Risikomatrix) und Verantwortlichkeiten/Kommunikation definieren

2) Prüfung vor Ort

  • Gefährdungen identifizieren: Absturz, herabfallende Gegenstände, elektrische Risiken, Kanten/Struktur, Verkehr, Witterung
  • Wirksamkeit vorhandener Schutzmaßnahmen prüfen (Absperrungen, Anschlagpunkte, Zugangstechnik, PSA, Unterweisung)
  • Rettungs- und Notfallaspekte bewerten: Erreichbarkeit, Evakuierungsweg, Alarmierung, Zeitkritik (z. B. Hängesyndrom)

3) Auswertung & Empfehlungen

  • Risiken bewerten und priorisieren (Wahrscheinlichkeit/Folgen), Rest-Risiko festhalten
  • Maßnahmen ableiten nach dem TOP-Prinzip (technisch vor organisatorisch vor personenbezogen)
  • Arbeitsfreigabe- und Abbruchkriterien definieren (z. B. Windgrenzen, Sperrbereiche, Materialzustand) und Umsetzung planen

Was wird typischerweise geprüft?

Der Umfang einer Risikobewertung richtet sich nach Tätigkeit, Objekt und Umfeld. Bei Inspektionen im Seilzugang werden sowohl die Arbeitsbedingungen als auch objektspezifische Gefahren betrachtet.

Fassade & Gebäudehülle

  • Zugang und Positionierung: Anseilpunkte, Kanten, Pendelbereiche, mögliche Anprallstellen
  • Gefahren durch Bauteile: lose Elemente, Glasbruch, Korrosion, Abplatzungen, scharfe Kanten
  • Umfeld: Publikumsverkehr, Verkehrsflächen, Nachbargebäude, Windkanäle, Lärm/Staub
  • Schutzmaßnahmen: Sperrzonen, Werkzeugfang, Materialtransport, Kommunikations- und Rettungsabläufe

Dach & Aufbauten

  • Absturzkanten, Lichtkuppeln/Öffnungen, Tragfähigkeit von Dachflächen und Aufstiegen
  • Aufbauten und Installationen: Antennen, PV, Lüftung, Blitzschutz – inklusive elektrischer Gefährdungen
  • Witterungseinfluss: Wind, Nässe, Vereisung, Hitze/UV; Auswirkungen auf Material und Arbeitssicherheit
  • Logistik: Materialwege, Anschlagmöglichkeiten, Kran-/Hebevorgänge, sichere Lagerung und Absturzsicherung

Warum Seilzugangstechnik oft ideal ist

Seilzugangstechnik ermöglicht eine zielgenaue Annäherung an Prüf- und Arbeitsstellen, häufig ohne großflächige Einrüstung. Dadurch lassen sich Sperrflächen und Eingriffe in den Betrieb oft reduzieren. Gleichzeitig kann die Risikobewertung sehr konkret an der tatsächlichen Arbeitssituation ausgerichtet werden – inklusive Rettungsplanung, Redundanz der Systeme und Kontrolle von Kanten- und Pendelrisiken.

Dokumentation & Ergebnisbericht

Eine belastbare Dokumentation macht die Risikobewertung nachvollziehbar und prüfbar. Sie unterstützt die Abstimmung mit Auftraggebern, Betreibern und ausführenden Teams.

Typische Inhalte eines Berichts

  • Beschreibung von Objekt, Tätigkeit, Team und Randbedingungen (Ort, Datum, Wetter-/Betriebsannahmen)
  • Identifizierte Gefährdungen und Bewertung (z. B. Matrix, Prioritäten, Rest-Risiko)
  • Festgelegte Schutzmaßnahmen inkl. Verantwortlichkeiten und Prüf-/Freigabepunkten
  • Rettungs- und Notfallkonzept (Rollen, Ausrüstung, Alarmierung, Übungs-/Unterweisungsstand)
  • Fotodokumentation/Skizzen zu Zugängen, Sperrzonen, Anschlagpunkten und kritischen Bereichen

FAQ: Risikobewertung

Ist eine Risikobewertung dasselbe wie eine Gefährdungsbeurteilung?

Eine Gefährdungsbeurteilung umfasst das systematische Ermitteln von Gefährdungen und das Festlegen von Maßnahmen. Die Risikobewertung ist darin meist der Schritt, in dem Wahrscheinlichkeit und Schadensausmaß bewertet und priorisiert werden, um Maßnahmen zielgerichtet abzuleiten.

Wann muss eine Risikobewertung aktualisiert werden?

Immer dann, wenn sich Randbedingungen ändern oder neue Erkenntnisse vorliegen – z. B. anderer Zugang, geänderte Witterung, neue Bauteilschäden, andere Ausrüstung/Teamzusammensetzung oder Abweichungen vom geplanten Ablauf. Auch nach Beinaheereignissen ist eine Überprüfung sinnvoll.

Welche typischen Risiken treten bei Arbeiten im Seilzugang auf?

Häufig sind Absturz- und Pendelrisiken, Kantenbelastung am Seil, herabfallende Gegenstände, Witterungseinflüsse sowie Rettungs- und Erreichbarkeitsfragen. Die Bewertung legt fest, welche technischen und organisatorischen Maßnahmen (z. B. Redundanz, Kantenschutz, Sperrzonen, Werkzeugfang, Rettungsplan) erforderlich sind.

Risikobewertung für Ihr Objekt – praxisnah und dokumentiert

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