Lexikon • Inspektion

Sicherheitskonzept

Ein Sicherheitskonzept bündelt Regeln, Maßnahmen und Zuständigkeiten, um Risiken systematisch zu beherrschen. Es schafft klare Abläufe für Planung, Durchführung und Kontrolle – besonders bei Arbeiten in der Höhe, an Fassaden oder auf Dächern.

Was ist ein Sicherheitskonzept?

Ein Sicherheitskonzept ist eine strukturierte Darstellung, wie Gefährdungen erkannt, bewertet und durch geeignete technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen reduziert werden. Es definiert u. a. Verantwortlichkeiten, Kommunikationswege, Notfallorganisation sowie Anforderungen an Qualifikation, Ausrüstung und Dokumentation. In der Seilzugangstechnik wird es häufig als projektspezifischer Teil der Arbeitsvorbereitung und Einsatzplanung erstellt und fortgeschrieben.

Ziel

Risiken minimieren, sichere Arbeitsabläufe festlegen und die Einhaltung von Schutzmaßnahmen nachvollziehbar organisieren.

Typisch für

Arbeiten mit Absturzgefahr, komplexen Zugängen, wechselnden Einsatzorten, mehreren Gewerken oder erhöhten Anforderungen an Rettung/Notfallmanagement.

Ergebnis

Ein abgestimmtes Maßnahmenpaket inkl. Rollen, Freigaben, Rettungsplan, Prüf- und Kontrollpunkten sowie klaren Vorgaben für Ausrüstung und Verhalten.

Ablauf einer Sicherheitskonzept

Ein Sicherheitskonzept entsteht nicht „am Schreibtisch allein“, sondern verbindet Planung, Ortsbegehung und laufende Anpassung an reale Bedingungen. Bewährt hat sich ein dreistufiges Vorgehen mit klaren Entscheidungs- und Freigabepunkten.

1) Vorbereitung

  • Aufgabenbeschreibung, Einsatzgrenzen und Schnittstellen (z. B. andere Gewerke, Betrieb, Verkehr) klären
  • Gefährdungen und Rahmenbedingungen sammeln (Zugänge, Wetter, Absturzkanten, elektrische Anlagen, Publikumsverkehr)
  • Maßnahmen festlegen: technische/organisatorische/personenbezogene Schutzmaßnahmen, Qualifikationen, PSA und Rettungsorganisation

2) Prüfung vor Ort

  • Ortsbegehung: Anschlagpunkte/Strukturen, Rettungswege, Absperrflächen und Materiallogistik verifizieren
  • Arbeits- und Rettungsablauf praktisch plausibilisieren (z. B. Erreichbarkeit, Kommunikationsmittel, Zeitfenster)
  • Abgleich mit tatsächlichen Bedingungen und Anpassung des Konzepts (inkl. Freigabe/Unterweisung vor Arbeitsbeginn)

3) Auswertung & Empfehlungen

  • Dokumentation der Umsetzung: Abweichungen, Ereignisse, Wirksamkeit der Maßnahmen
  • Empfehlungen für Verbesserungen (z. B. dauerhafte Anschlageinrichtungen, Zugangslösungen, organisatorische Regeln)
  • Übergabe an Betreiber/Projektleitung inkl. Lessons Learned für Folgeeinsätze

Was wird typischerweise geprüft?

Der Umfang eines Sicherheitskonzepts richtet sich nach Risiko, Komplexität und Rahmenbedingungen. Bei Gebäude- und Fassadenarbeiten werden häufig folgende Bereiche betrachtet.

Fassade & Gebäudehülle

  • Zugang und Absturzsicherung (z. B. Seilzugang, Hubarbeitsbühne, Gerüst; Absperr- und Sperrzonen)
  • Anschlagpunkte/Tragstrukturen: Eignung, Nutzungsvorgaben, Prüfstatus und Belastungsannahmen
  • Gefährdungen durch herabfallende Gegenstände: Werkzeugfang, Materialhandling, Schutzbereiche
  • Umgebungsrisiken: Publikumsverkehr, Straßenraum, Nachbarflächen, Wind- und Wetterexposition

Dach & Aufbauten

  • Sichere Wege und Kantenbereiche (Dachzugang, Durchsturzgefahr, temporäre Sicherungen)
  • Aufbauten/Anlagen: Lichtkuppeln, PV, Lüftung, Antennen – Kollisions- und Stolperstellen
  • Elektrische und technische Risiken (z. B. Nähe zu Leitungen/Anlagen, Abschaltungen, Freischaltungen nach Betreiberregelung)
  • Rettung und Notfall: Erreichbarkeit, Ersthilfe, Alarmierung, Rettungsgerät und Rollenverteilung

Warum Seilzugangstechnik oft ideal ist

Seilzugangstechnik ermöglicht den Zugang zu schwer erreichbaren Bereichen mit geringem Flächenbedarf und oft kurzer Rüstzeit. Dadurch lassen sich Sperrungen, Eingriffe in den Betrieb und Risiken durch umfangreiche Baustelleneinrichtungen reduzieren. Ein Sicherheitskonzept profitiert dabei von klar definierten Verfahren für Zugang, Positionierung und Rettung, die vor Ort überprüfbar und anpassbar sind.

Dokumentation & Ergebnisbericht

Ein Sicherheitskonzept ist nur dann wirksam, wenn es verständlich dokumentiert, kommuniziert und im Einsatz überprüft wird. Typische Bestandteile der Dokumentation sind:

Typische Inhalte eines Berichts

  • Projekt- und Aufgabenbeschreibung inkl. Einsatzgrenzen und Verantwortlichkeiten
  • Gefährdungsübersicht mit festgelegten Schutzmaßnahmen und Kontrollpunkten
  • Rettungs- und Notfallorganisation (Alarmierung, Rollen, Ausrüstung, Szenarien)
  • Nachweise zu Qualifikation/Unterweisung sowie Prüfstatus relevanter Ausrüstung
  • Freigaben, Änderungen/Abweichungen und Abschlussbewertung (Wirksamkeit, Empfehlungen)

FAQ: Sicherheitskonzept

Wann ist ein Sicherheitskonzept erforderlich?

Immer dann, wenn Tätigkeiten relevante Risiken aufweisen oder mehrere Maßnahmen koordiniert werden müssen – z. B. bei Arbeiten in der Höhe, an absturzgefährdeten Bereichen, bei Publikumsverkehr oder komplexen Zugängen. In der Praxis wird es häufig projektspezifisch erstellt und vor Arbeitsbeginn vor Ort verifiziert.

Wer erstellt und verantwortet das Sicherheitskonzept?

Die Erstellung erfolgt in der Regel durch die fachlich verantwortliche Stelle des ausführenden Unternehmens in Abstimmung mit Auftraggeber/Betreiber und ggf. weiteren Beteiligten. Verantwortlichkeiten, Freigaben und Kommunikationswege sollten im Konzept eindeutig benannt sein.

Worin unterscheidet sich ein Sicherheitskonzept von einer Gefährdungsbeurteilung?

Die Gefährdungsbeurteilung identifiziert und bewertet Gefährdungen und leitet Schutzmaßnahmen ab. Das Sicherheitskonzept beschreibt darüber hinaus die konkrete Organisation und Umsetzung im Projekt: Rollen, Abläufe, Rettung, Schnittstellen, Kontrollen und Dokumentation – also das „Wie“ der sicheren Durchführung.

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