Was ist ein Steigschutzsystem?
Ein Steigschutzsystem ist eine dauerhaft montierte Absturzsicherung für den Auf- und Abstieg an festen Leitern. Typisch sind Schienensysteme oder Seil-/Drahtseilsysteme, auf denen ein mit dem Auffanggurt verbundenes Auffanggerät mitläuft und im Sturzfall blockiert. Zum System gehören u. a. Führungselemente, Endanschläge, Zwischenhalterungen, Ein- und Ausstiegsbereiche sowie die zugehörigen Befestigungen am Bauwerk.
Ziel
Sichere, normgerechte Nutzung fester Leitern durch definierte Absturzsicherung und nachvollziehbare Betreiberpflichten (Prüfung, Instandhaltung, Dokumentation).
Typisch für
Zugänge an Fassaden und Dächern, Industrieanlagen, Silos, Schornsteinen, Sendemasten sowie Wartungs- und Inspektionswege mit fest montierten Steigleitern.
Ergebnis
Bewertung des Zustands und der Funktion, Feststellung von Mängeln (z. B. Korrosion, lockere Befestigungen, Fehlteile) sowie konkrete Maßnahmenempfehlungen zur Instandsetzung oder Optimierung.
Ablauf einer Steigschutzsystem
Die Inspektion eines Steigschutzsystems kombiniert Sicht- und Funktionsprüfungen mit der Beurteilung der Befestigung am Bauwerk. Entscheidend ist, dass die Prüfung nachvollziehbar dokumentiert und Mängel priorisiert werden.
1) Vorbereitung
- Anlagendaten sichten: Systemtyp (Schiene/Seil), Herstellerangaben, letzte Prüfprotokolle, Umbauten
- Zugang und Gefährdungen klären: Rettungskonzept, Witterung, Sperrungen, Fremdgewerke
- Prüfumfang festlegen: Leiterzugang, Ein-/Ausstieg, Befestigungspunkte, Zubehör (Auffanggerät, Verbindungsmittel)
2) Prüfung vor Ort
- Sichtprüfung: Korrosion, Verformungen, Risse, fehlende/lockere Schraubverbindungen, Beschädigungen an Schiene/Seil
- Funktionsprüfung: Lauf und Blockierfunktion des Auffanggeräts, Endanschläge, Übergänge am Ein-/Ausstieg, Führung/Spannung bei Seilsystemen
- Bauwerksanbindung prüfen: Zustand der Unterkonstruktion, Befestigungsabstände, Setzungen, Dichtheit/Schutz gegen Feuchteeintrag an Durchdringungen
3) Auswertung & Empfehlungen
- Mängel bewerten und priorisieren (z. B. sicherheitskritisch, zeitnah, beobachtungsbedürftig)
- Empfehlungen ableiten: Instandsetzung, Austausch von Komponenten, Nachrüstung (z. B. bessere Ein-/Ausstiegslösungen)
- Dokumentation erstellen: Fotobelege, Prüfergebnisse, Maßnahmenplan und Hinweise für den sicheren Betrieb
Was wird typischerweise geprüft?
Der konkrete Prüfumfang hängt von Systemtyp, Einbausituation und Nutzungshäufigkeit ab. In der Praxis werden sowohl das Steigschutzsystem als auch die Leiteranlage und die Bauwerksanbindung gemeinsam betrachtet.
Fassade & Gebäudehülle
- Steigleiter und Steigschutzführung entlang der Fassade (Schiene oder Seil) inkl. Halterungen
- Befestigung am Baukörper: Konsolen, Dübel/Anker, Korrosionsschutz, Verformungen
- Ein- und Ausstiegsbereiche: Übergänge, Handläufe, Austrittsicherung, Freiräume
- Einwirkungen von außen: Korrosion durch Witterung/Abgase, Verschmutzung, mechanische Beschädigungen
Dach & Aufbauten
- Ausstieg am Dach: sichere Überstiegsstelle, Antritt, Durchsturz- und Absturzkanten
- Anbindung an Dachkonstruktion und Durchdringungen: Dichtheit, Schutz gegen Feuchte, stabile Untergründe
- Weiterführende Sicherung auf dem Dach (z. B. Anschlagpunkte/Seilsysteme) als Schnittstelle zum Steigschutz
- Zubehör und Nutzungsmittel: Kompatibilität und Zustand von Auffanggerät, Verbindungsmitteln und Gurt (sofern mitgeprüft)
Warum Seilzugangstechnik oft ideal ist
Seilzugangstechnik ermöglicht die Prüfung von Steigschutzsystemen auch an schwer zugänglichen Fassaden, Schächten oder hohen Bauwerken, ohne umfangreiche Gerüststellung. Prüfstellen entlang der gesamten Steighöhe können gezielt erreicht und dokumentiert werden. Das reduziert Stillstandszeiten und erlaubt eine flexible, punktgenaue Mängelerfassung – insbesondere bei Anlagen im laufenden Betrieb.
Dokumentation & Ergebnisbericht
Eine klare Dokumentation unterstützt Betreiber bei der Nachweisführung und bei der Planung von Instandsetzungen. Sie sollte den Zustand, die Funktion und die empfohlenen Maßnahmen nachvollziehbar abbilden.
Typische Inhalte eines Berichts
- Prüfprotokoll mit Datum, Prüfumfang, Systemtyp und Identifikation der Anlage
- Mängelliste mit Priorisierung und eindeutiger Verortung (z. B. Höhe/Leiterfeld/Segment)
- Fotodokumentation von Auffälligkeiten und relevanten Details (Befestigungen, Übergänge, Korrosionsstellen)
- Empfehlungen zu Instandsetzung, Austausch und ggf. Nutzungsbeschränkungen bis zur Mängelbeseitigung
- Hinweise zu wiederkehrenden Prüfintervallen gemäß Herstellerangaben und betrieblicher Gefährdungsbeurteilung
FAQ: Steigschutzsystem
Worin unterscheidet sich ein Schienen- von einem Seil-Steigschutzsystem?
Bei Schienensystemen läuft das Auffanggerät in einer starren Führung (Schiene) und wird an definierten Haltern am Bauwerk befestigt. Seilsysteme nutzen ein gespanntes Drahtseil als Führung; hier sind Seilspannung, Endverbindungen und Zwischenhalter besonders prüfrelevant. Welche Lösung geeignet ist, hängt u. a. von Bauwerk, Steighöhe, Umgebungseinflüssen und Herstellerfreigaben ab.
Was wird bei einer Inspektion typischerweise geprüft?
Geprüft werden in der Regel Bauteilzustand (Korrosion, Verformung, Beschädigung), Verbindungen (Schrauben, Halter, Endanschläge), Funktion (Lauf- und Blockierverhalten des Auffanggeräts) sowie die Bauwerksanbindung inklusive Untergrund und Durchdringungen. Zusätzlich werden Ein- und Ausstiegsbereiche als sicherheitskritische Schnittstellen bewertet.
Darf ein Steigschutzsystem weiter genutzt werden, wenn Mängel festgestellt wurden?
Das hängt von Art und Schwere des Mangels ab. Sicherheitskritische Mängel (z. B. beschädigte Führung, lockere tragende Befestigungen, fehlende Endanschläge) können eine sofortige Nutzungsunterbrechung erfordern, bis die Instandsetzung erfolgt ist. Die Entscheidung sollte anhand der Prüfergebnisse, Herstellerangaben und der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung getroffen und dokumentiert werden.
Steigschutzsystem prüfen lassen
Wir unterstützen bei der Inspektion von Steigschutzsystemen an Gebäuden und Industrieanlagen – inklusive Fotodokumentation, Mängelbewertung und Maßnahmenempfehlungen. Auf Wunsch auch mit Seilzugangstechnik für schwer erreichbare Abschnitte.