Lexikon • Inspektion

Verkehrssicherungspflicht

Die Verkehrssicherungspflicht verpflichtet Eigentümer und Betreiber, Gefahrenquellen so zu sichern, dass Dritte nicht zu Schaden kommen. Dazu gehören regelmäßige Kontrollen, zumutbare Sicherungsmaßnahmen und eine nachvollziehbare Dokumentation. In der Praxis ist sie zentral für die Planung von Inspektion und Instandhaltung an Gebäuden und Anlagen.

Was ist Verkehrssicherungspflicht?

Unter Verkehrssicherungspflicht versteht man die rechtliche Pflicht, im eigenen Verantwortungsbereich Gefahren für andere möglichst zu verhindern. Wer eine Gefahrenquelle schafft oder beherrscht (z. B. als Eigentümer, Betreiber oder Auftraggeber), muss im Rahmen des Zumutbaren dafür sorgen, dass Personen und Sachen nicht durch typische, vorhersehbare Risiken geschädigt werden. Dazu zählen insbesondere Kontrolle, Instandhaltung, Absicherung und Warnung bei erkennbaren Risiken.

Ziel

Schutz von Personen und Sachwerten durch Erkennen, Bewerten und Minimieren typischer Gefahrenquellen im Verantwortungsbereich.

Typisch für

Gebäude- und Anlagenbetrieb: lose Fassadenteile, Dachziegel, Schneefang, Dachrinnen, Absturzsicherungen, Werbeanlagen, Taubenabwehr, Baustellen- und Wartungsbereiche.

Ergebnis

Nachweisbare Prüf- und Maßnahmenkette: festgestellte Mängel, Risikoeinstufung, empfohlene Sofort- und Folgemaßnahmen sowie Dokumentation zur Nachverfolgbarkeit.

Ablauf einer Verkehrssicherungspflicht

Um Verkehrssicherungspflichten praktisch umzusetzen, werden Risiken systematisch erfasst und priorisiert. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, ein geeigneter Prüfumfang und eine belastbare Dokumentation.

1) Vorbereitung

  • Objekt- und Nutzungsanalyse (Publikumsverkehr, Verkehrsflächen, Witterungseinfluss, besondere Gefährdungen)
  • Sichtung vorhandener Unterlagen (Pläne, frühere Prüfberichte, Mängellisten, Wartungsnachweise)
  • Festlegen von Prüfumfang, Zugangsverfahren und Sicherheitsmaßnahmen (z. B. Absperrungen, Sperrzeiten)

2) Prüfung vor Ort

  • Sicht- und Funktionskontrollen relevanter Bauteile/Anlagen (z. B. Fassaden, Dachkanten, Anbauteile, Entwässerung)
  • Dokumentation von Schäden, Lockerungen, Korrosion, Rissen, fehlenden Sicherungen und Verschleiß
  • Bewertung der Dringlichkeit (akute Gefahr vs. mittelfristiger Handlungsbedarf) und ggf. Sofortmaßnahmen wie Absperren

3) Auswertung & Empfehlungen

  • Zusammenführen der Befunde mit Fotodokumentation und Lagebezug (Bauteil/Zone)
  • Empfehlungen für Instandsetzung, Sicherung oder weitere Detailprüfung (z. B. Öffnung/Materialprüfung, Fachplaner)
  • Ableitung von Intervallen und Verantwortlichkeiten für wiederkehrende Kontrollen

Was wird typischerweise geprüft?

Der konkrete Umfang richtet sich nach Objektart, Nutzung, Alter, Exposition und bekannten Schadensbildern. Im Fokus stehen Bauteile, von denen typischerweise Gefahren für Dritte ausgehen können.

Fassade & Gebäudehülle

  • Putz- und Bekleidungsteile: Abplatzungen, Hohllagen, lose Platten/Elemente
  • Fenster, Brüstungen, Geländer, Absturzsicherungen: Befestigungen, Korrosion, Verformungen
  • Anbauteile: Markisen, Vordächer, Leuchten, Schilder/Werbeträger, Befestigungspunkte
  • Mauerwerk/Beton: Risse, Abwitterung, Abplatzungen, Wasserführung und Folgeschäden

Dach & Aufbauten

  • Dacheindeckung: lose Ziegel/Schiefer/Abdeckungen, beschädigte Anschlüsse
  • Dachentwässerung: Dachrinnen, Fallrohre, Notüberläufe, Verstopfungen und Überläufe
  • Sicherheits- und Schutzsysteme: Schneefang, Laufanlagen, Anschlagpunkte (Sichtprüfung auf Zustand/Befestigung)
  • Aufbauten: Antennen, PV-/Technikaufbauten, Kaminabdeckungen, Blitzschutzbauteile (Sichtprüfung auf festen Sitz)

Warum Seilzugangstechnik oft ideal ist

Seilzugangstechnik ermöglicht eine nahe Sichtprüfung an schwer zugänglichen Bereichen wie Fassaden, Dachkanten und Aufbauten, ohne großflächige Gerüststellungen. Dadurch lassen sich Befunde gezielt verifizieren, Detailfotos erstellen und kleinere Sicherungsmaßnahmen kurzfristig umsetzen. Besonders bei laufendem Betrieb, beengten Zufahrten oder sensiblen Außenanlagen ist der flexible Zugang häufig wirtschaftlich und organisatorisch vorteilhaft.

Dokumentation & Ergebnisbericht

Eine nachvollziehbare Dokumentation unterstützt die interne Steuerung von Maßnahmen und dient als Nachweis, dass Kontrollen und zumutbare Sicherungen organisiert wurden.

Typische Inhalte eines Berichts

  • Prüfbericht mit Datum, Prüfumfang, Wetter-/Rahmenbedingungen und Zuständigkeiten
  • Fotodokumentation mit Bauteilzuordnung (z. B. Achse, Geschoss, Fassadenseite, Dachzone)
  • Mängelliste mit Priorisierung (akut/kurz-/mittelfristig) und empfohlenen Maßnahmen
  • Hinweise auf erforderliche Sofortmaßnahmen (z. B. Absperrung, Sperrung von Bereichen) und deren Umsetzung
  • Empfehlung für Kontrollintervalle und Folgetermine (Wiederholungsprüfung/Nachkontrolle)

FAQ: Verkehrssicherungspflicht

Wer trägt die Verkehrssicherungspflicht an Gebäuden?

In der Regel trifft sie denjenigen, der die tatsächliche Herrschaft über den Gefahrenbereich hat, z. B. Eigentümer oder Betreiber. Aufgaben können organisatorisch an Dienstleister übertragen werden, die Verantwortung für eine geeignete Organisation und Kontrolle bleibt jedoch beim Pflichtigen.

Welche Rolle spielen regelmäßige Inspektionen?

Regelmäßige Inspektionen helfen, typische und vorhersehbare Gefahren (z. B. lose Bauteile, Korrosion, Verstopfungen) frühzeitig zu erkennen. Wichtig ist, dass Prüfumfang und Intervalle zum Objekt und zur Nutzung passen und Ergebnisse dokumentiert sowie Maßnahmen nachverfolgt werden.

Was tun bei akuter Gefahr (z. B. lose Fassadenteile)?

Bei akuter Gefahr sind sofortige Sicherungsmaßnahmen erforderlich, etwa Absperren, Sperren von Verkehrsflächen oder provisorisches Sichern. Anschließend sollten Instandsetzung und eine Nachkontrolle veranlasst und alle Schritte nachvollziehbar dokumentiert werden.

Gefahrenstellen erkennen und Maßnahmen ableiten

Wir unterstützen bei der Begutachtung von Fassaden und der Prüfung schwer zugänglicher Bereiche per Seilzugangstechnik. Auf Basis der Befunde erhalten Sie eine priorisierte Mängelliste und umsetzbare Empfehlungen für Sicherung und Instandhaltung.