Was ist ein Industriekletterer?
Ein Industriekletterer (auch: Seilzugangstechniker) führt technische Arbeiten an exponierten Orten mithilfe eines redundanten Seilsystems aus. Im Unterschied zum Sportklettern steht nicht das Klettern selbst, sondern die sichere Positionierung am Arbeitsplatz und die fachgerechte Ausführung der Aufgabe im Vordergrund. Je nach Auftrag umfasst das Tätigkeitsfeld z. B. Sichtprüfungen, kleinere Reparaturen, Montagearbeiten oder Reinigungsleistungen an Fassaden, Dächern, Masten oder Industriekomponenten.
Ziel
Sicheren Zugang zu schwer erreichbaren Bereichen schaffen und Arbeiten effizient, dokumentiert und mit minimalen Beeinträchtigungen ausführen.
Typisch für
Einsätze an Fassaden, Dachkanten, Brücken, Schächten, Industrieanlagen oder Sendemasten – oft bei laufendem Betrieb und begrenztem Platz für Gerät.
Ergebnis
Durchgeführte Inspektion/Leistung mit nachvollziehbarer Dokumentation (z. B. Fotos, Befundliste) und klaren Empfehlungen für Instandsetzung oder nächste Prüfschritte.
Ablauf einer Industriekletterer
Der Ablauf orientiert sich am Einsatzort, der Aufgabe und den betrieblichen Rahmenbedingungen. Zentral sind eine belastbare Gefährdungsbeurteilung, geeignete Anschlagpunkte sowie eine saubere Dokumentation der Ergebnisse.
1) Vorbereitung
- Auftragsklärung: Ziel, Bauteile/Anlagenteile, Qualitätsanforderungen, Zugangs- und Sperrkonzept
- Gefährdungsbeurteilung und Rettungskonzept (z. B. Hängetrauma, Wetter, Verkehr, elektrische Gefährdungen)
- Material- und Systemcheck: PSA gegen Absturz, Seile, Verbindungsmittel, Kantenschutz, Werkzeug- und Materialtransport
2) Prüfung vor Ort
- Einrichten der Arbeitsstelle: Absperrungen, Warnhinweise, Schutz vor herabfallenden Gegenständen
- Aufbau des Seilsystems mit geeigneten Anschlagpunkten und redundanter Sicherung; Funktionskontrollen vor Arbeitsbeginn
- Durchführung der Tätigkeit: z. B. Sichtprüfung, Detailkontrolle, Messungen, Reinigung oder Kleinreparatur; laufende Fotodokumentation
3) Auswertung & Empfehlungen
- Strukturierte Befundaufnahme: Schadstellen, Lageangaben, Dringlichkeit, mögliche Ursachen
- Empfehlungen für Instandsetzung, weitere Prüfungen oder Monitoring (z. B. Nachkontrolle nach Witterungsereignissen)
- Übergabe der Dokumentation und Abstimmung der nächsten Schritte (Terminierung, Sperrflächen, Materialbedarf)
Was wird typischerweise geprüft?
Industriekletterer werden häufig für Inspektionen und begleitende Maßnahmen eingesetzt, wenn viele Punkte verteilt liegen oder nur punktuell Zugang benötigt wird. Der genaue Umfang wird objektspezifisch festgelegt (Bauteile, Prüftiefe, Dokumentationsgrad).
Fassade & Gebäudehülle
- Sichtprüfung von Fassadenflächen, Fugen, Anschlüssen, Attiken und Befestigungspunkten
- Kontrolle von Rissen, Abplatzungen, Korrosion, Feuchtespuren und Verfärbungen
- Prüfung von Anbauteilen wie Markisen, Schildern, Leitungen, Fallrohren (soweit zugänglich und beauftragt)
- Fotodokumentation mit Positionsangaben für Instandsetzung oder Gewährleistungsfragen
Dach & Aufbauten
- Kontrolle von Dachrändern, Durchdringungen, Anschlüssen und Entwässerungspunkten
- Sichtprüfung von Dachaufbauten (z. B. Lüftungsauslässe, Geländer, Steigleitern) nach Auftrag
- Bewertung von Sturmschäden oder losem Material mit Blick auf Absturz- und Herabfallgefahren
- Empfehlungen zu Sofortmaßnahmen (Sicherung) und planbarer Instandsetzung
Warum Seilzugangstechnik oft ideal ist
Seilzugangstechnik ermöglicht einen direkten, punktgenauen Zugang ohne flächige Aufbauten wie Gerüste. Das reduziert Rüstzeiten, Platzbedarf und Eingriffe in den Betrieb, besonders bei Innenhöfen, engen Zufahrten oder sensiblen Bereichen. Zudem lassen sich Inspektionspunkte flexibel anfahren, was bei weitläufigen Fassaden oder komplexen Geometrien Vorteile bringt. Ob Seilzugang die beste Lösung ist, hängt von Aufgabe, Lasten, Dauer, Wetter und den vorhandenen Anschlagmöglichkeiten ab.
Dokumentation & Ergebnisbericht
Eine nachvollziehbare Dokumentation ist bei Inspektionen und wiederkehrenden Maßnahmen entscheidend. Sie unterstützt die Priorisierung von Instandsetzungen und schafft Transparenz gegenüber Betreibern, Eigentümern und Dienstleistern.
Typische Inhalte eines Berichts
- Fotodokumentation mit Zuordnung zu Bauteilbereichen/Positionen
- Befundliste mit Beschreibung, Ausmaß und möglicher Ursache
- Einstufung der Dringlichkeit (z. B. sofort sichern, kurzfristig instandsetzen, beobachten)
- Empfehlungen zu Maßnahmen, Materialien oder weiterführenden Prüfungen
- Hinweise zu Rahmenbedingungen des Einsatzes (Wetter, Zugänglichkeit, Einschränkungen)
FAQ: Industriekletterer
Welche Aufgaben übernehmen Industriekletterer typischerweise?
Häufige Aufgaben sind Inspektionen an Fassaden und Dächern, Montage- und Demontagearbeiten, kleinere Reparaturen sowie Reinigungsleistungen an schwer zugänglichen Stellen. Der konkrete Leistungsumfang richtet sich nach Objekt, Risiko und den technischen Anforderungen des Auftrags.
Ist Seilzugangstechnik immer günstiger als Gerüst oder Hubarbeitsbühne?
Nicht immer. Seilzugang ist oft wirtschaftlich bei punktuellen Arbeiten, vielen verteilten Prüfpunkten oder eingeschränktem Platz. Bei großflächigen, lang andauernden Arbeiten oder hohem Materialumschlag können Gerüstlösungen sinnvoller sein.
Worauf kommt es bei der Sicherheit besonders an?
Wesentlich sind eine fundierte Gefährdungsbeurteilung, geeignete Anschlagpunkte, redundante Sicherungssysteme, ein Rettungskonzept sowie die passende persönliche Schutzausrüstung. Zusätzlich spielen Absperrungen und Schutz vor herabfallenden Gegenständen eine zentrale Rolle.
Einsatz klären und Zugangslösung festlegen
Beschreiben Sie Objekt, Ziel und Rahmenbedingungen (Zugang, Betriebszeiten, Sperrflächen). Wir prüfen, ob Seilzugangstechnik geeignet ist, und erstellen ein Vorgehen inklusive Sicherheits- und Dokumentationskonzept.